Biographie

Geboren am 19. Oktober 1871 in Minden als Tochter eines Justizrats und Rechtsanwalts jüdischen Glaubens. 1879 ließ sich die Familie in Bielefeld nieder. Besuch des dortigen Gymnasiums. 1887 Tod des Vaters. In diesem Jahr ging sie von der Auguste-Viktoria-Schule ab. […] Was Josefa in den Jahren von 1887 bis 1899 in Bielefeld machte, wissen wir nicht. Ob sie schon erste literarische Versuche unternahm oder malte, ist nicht bekannt. 1899 Umzug nach Berlin. Es ist denkbar, daß sie dem Leben in der „Provinz“ entgehen wollte. Anzunehmen ist, daß sie ihre Fähigkeiten als Malerin ausbilden lassen wollte. Möglicherweise plante sie, später in Bielefeld als Zeichenlehrerin tätig zu werden. Die Berliner Jahre waren für Josefa Metz mit einer langen Reihe von Lesungen angefüllt. So fand 1906 eine Matinee im Beethoven-Saal in Berlin statt. Der Erlös dieser Lesung ging an geistig behinderte Kinder. […] Über Freundschaften oder Menschen, mit denen sie zusammentraf, wissen wir so gut wie nichts. Möglicherweise schloss sie sich literarischen Zirkeln an. Sie unternahm mehrere Reisen, u.a. nach Wien, von denen sie in künstlerischer Hinsicht profitierte. 1908 in Wien Uraufführung ihres Märchenspiels Den König drückt der Schuh. Aufführungen folgten in Bielefeld (1908) und Karlsruhe (1913). Inszenierung ihres Stückes Der Schusterprinz in zahlreichen Städten. 1909 Übersiedlung nach München. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird auch von Josefa Metz mit einigen euphorischen Gedichten aufgenommen. […] Mit den 1916 erschienenen Novellen „Wehrlose“ setzte sich Josefa Metz erstmals kritischer mit der Umwelt ihrer Kindergestalten auseinander. […] Die Entwicklung von Josefa Metz in diesen Jahren von anfänglicher Kriegsbegeisterung zur sozialkritischen Beobachterin ist typisch für einen ganz bedeutenden Teil der bürgerlichen Intelligenz, deren „Antibürgerlichkeit“ zur Zeit des Kaiserreiches sozial und politisch während des Zusammenbruchs der alten Gesellschaft im Ersten Weltkrieg zugespitzt wird. 1916 erneuter Besuch in Wien. Zusammentreffen mit Arthur Schnitzler. Häufige Besuche in Bielefeld. Ab Mitte der 20er Jahre Wohnsitz in Berlin. Die Vermutung liegt nahe, daß Josefa Metz Ende der Zwanziger Jahre finanzielle Sorgen hatte. Aus Wohlfahrtsmitteln wurde ihr vom Gremium des Schriftstellerfonds beim preußischen Kultusministerium ein einmaliger Betrag von 250 Reichsmark überwiesen. 1930 bewarb sie sich beim Bayerischen Rundfunk, um aus eigenen Werken zu lesen. 1931 im Bielefelder Stadttheater Uraufführung ihrer Burleske Das Experiment. 1938 Umzug nach Berlin. 1941 Deportation nach Theresienstadt, wo sie 1943 umgebracht wurde. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt. (Zitate nach Macha-Krau 1986)

Gab Skizzen leidvoller Lebensverhältnisse, wie sie aus dem Gesichtswinkel kindlicher Betrachtungen sich darstellen. Realistisch; meisterhaft in der Anbequemung an kindliche Denk- und Sprechweise, sowie in der künstlerischen Pointierung. Gehört zu den Vorleserinnen eigener Gedichte. Mit einem Buche, das sie „Neue Gedichte“ betitelt, trat sie 1912 an die Öffentlichkeit und bezeugt auch damit ihr starkes, von Ernst und Anmut getragenes Talent. (Geißler 1913)

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Selbstständige Veröffentlichungen

Didi und Konsorten. Kinderbuch. Berlin: Harmonie 1903. 32S. (=Dt. Frauen Gemüth und Humor 2) – Gedichte. Berlin: Bloch 1903. 88S. (StA Bielefeld); 2. Aufl. Berlin: Bloch 1906 (StA Bielefeld); 3. Aufl. Berlin: Bloch 1920. 125S. (StA Bielefeld) – Im Himmelhaus. Ein Kinderspiel mit Gesang. Musik von B. Zepler. Berlin: Bloch 1904. 16S. (=Blochs Kindertheater 103); 2. Aufl. Berlin: Bloch 1922 – Auf dem Spielplatz. Lustiges Stücklein mit Gesang. Berlin: Bloch 1904. 18S. (=Blochs Kindertheater 102); 2. Aufl. 1922 – Das letzte Rendezvous. Humoristische Szene. Berlin: Bloch 1905. 8S. – Armer kleiner Pierrot. 2. Aufl. Stuttgart, Leipzig, Berlin: Juncker 1908. 224S. (StA Bielefeld) – Den König drückt der Schuh. Ein Spiel in vier Bildern. Leipzig: Haupt und Hammon 1908. 49S. (StUB Köln) [Rez. in: 1. Berliner Tagebl. vom 17.2.1908; 2. Bad. Landesztg. vom 15.12.1913] – Sommerabendspiel. Szenen mit Gesang und Tanz. Musik von A. Egidi. Berlin-Groß-Licherfelde: Vieweg 1909. 15S. (StA Bielefeld) – Aus sonniger Kinderzeit. Hannover: Molling 1910 – Neue Gedichte. Berlin, Charlottenburg: Verlag Neues Leben 1912. 102S. (StLB Dortmund, StA Bielefeld); 2., verm. Aufl. u.d.T.: Der verschlossene Garten. Bad Rothenfelde: Holzwarth 1919. 135S. (StA Bielefeld) – Das Puppenhaus. Verse. Hannover: Molling 1913. 18S. [Illustr.] – Wehrlose. Novellen. Charlottenburg: Lehmann 1916. 246S. (StLB Dortmund, StA Bielefeld) – Ruth Webers Erlebnisse. Roman. Berlin: Kronen-Verlag 1917. 254S. (StLB Dortmund, StA Bielefeld) – Schneeweißchen und Rosenrot. Wiedererzählt. Hannover: Molling 1920. 15S. [Illustr.] – Sport der Tiere. Verse. Hannover: Molling 1920. 15S. – Schneewittchen. Hannover: Molling 1920 – Aschenbrödel. Hannover: Molling 1920 – Rotkäppchen. Hannover: Molling 1920 – Hänsel und Gretel. Hannover: Molling 1920 – Von Kindern, Tieren und Puppen. Wiesbaden: Pestalozzi-Verlags-Anstalt 1921. 25S. [Illustr.] – Kindergedichte. Berlin: Romantik-Verlag 1922. 45S. (StA Bielefeld, (StLB Dortmund) – Kasperl auf Reisen. München: Verlag der Münchner Drucke 1925. 40S. [Illustr.] Meine Puppen und ich. Verse von Josefa Metz [keine Verlagsangaben, Nr. 8379, ohne Jahr, ca. 1925] – postum: Josefa Metz. „Dichterin der Kinderseele“. Lesebuch. Zsgest. und mit einem Nachw. versehen von M. Vogt. Bielefeld: Aisthesis 2004.

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Herausgabe

Im goldenen Garten. Märchenbuch. Hannover: 1913. 27S. [Illustr.] – Das Ferienbuch. Mit Beitr. von W. Bloem, P. Dehmel, R. Dehmel und anderen. Hannover 1915. 135S. [Illustr.] (StA Bielefeld) [Rez.: Berliner Tagebl. vom 19.12.1915] – Von Hans Sachs bis Wilhelm Busch. Ein lustiges Versbuch für Kinder. Berlin: Wegweiser-Verlag 1924. 365S. [Illustr.] (StA Bielefeld); 2. Aufl. 1928.

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Unselbstständige Veröffentlichungen in

Der Weltspiegel, Berlin, vom 5.4.1903: Osterstrauß [Ged.]; vom 4.8.1904: Mine Menke [Ged.]; vom 14.12.1905: Westfälische Heimat [Ged.] – Ost und West, H. 5, 1904, S. 341-348: Sünde. Aus dem Leben eines kleinen Mädchens – Die Zeit, Wien, vom 27.7.1908: Sehnsuchtsland [Ged.] – Ost und West, H. 4, 1908, S. 219: Rast in der Wüste. Gedicht – Ost und West, H. 6, 1908, S. 367: Jacobs Traum. Gedicht – Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, H. 1, 1908, S. 230-250: Eine glückliche Ehe – Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, H. 1, 1909, S. 275: Zusammenhang. Gedicht – Jugend [um 1914]: Pionier [Ged.] – Frauen-Fürsorge [um 1914]: Der Wandervogelsoldat [Ged.] – Über Land und Meer, Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1915: Ruth Webers Nachlaß [Fortsetzungsroman] – Fremdenbl., Hamburg, 1919: Eva Brandts Freunde [Fortsetzungsroman; dass. in: Westf. Neueste Nachr., Bielefeld, 1919] – Frankfurter Ztg. 1922, Nr. 24: Die Arroganz des Nüchternenpostum: Der Minden-Ravensberger, Bielefeld, 30, 1958: Heimat; 34, 1962: Heimat [Ged.]; Jg. 36, 1964: Ziele, eine Fabel; Erster Kirchgang – Macha-Krau 1986 (s.u.): Die Kinder und ich.

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Tonträger

Josefa Metz: Die Kinder und ich. Gedichte und Geschichten von Josefa Metz (1871-1943), Mitschnitt einer Lesung am 6. Mai 2004 im Westfälischen Literaturmuseum Haus Nottbeck, Oelde i.W. Gelesen von J. Neumann. Hg. von M. Vogt. Bielefeld: Aisthesis Hörbuch 2004 [CD].

Unselbstständige Veröffentlichungen über

Rez. zu der Burleske „Das Experiment“, in: Westf. Ztg., Bielefeld, vom 24.4.1931 – H. Macha-Krau: Josefa Metz (1871-1941), eine Bielefelder Schriftstellerin, in: Frauenalltag in Bielefeld. Bielefeld 1986, S. 227-253 [Abb.] – M. Vogt: „dann lesen wir vierhändig“. Über die Schriftstellerin Josefa Metz (1871-1943), in: Jüdische Literatur in Westfalen. Hg. von H. Steinecke. Bielefeld 2004, S. 41-63 – M. Vogt: Josefa-Metz-Ausstellung in Haus Nottbeck, in: Literatur in Westfalen 8, 2006, S. 327-331 [Ill.] – S. Wambach: „Geh ich an einem Kind vorbei, lachen wir immer alle zwei“. Die Schriftstellerin Josefa Metz (1871-1943), in: Frauen in der Bielefelder Geschichte, 2010, S. 54-63 – F. Meier: Die Bielefelder Dichterin Josefa Metz und die Konstruktion verschlossener Welten. Das Bild der Jugend im Novellenband „Wehrlose“ von 1916, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Bd. 98, 2013, S. 211-238.

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Erwähnungen in

Minden-Ravensberg 1929, S. 294-296.

Bildnis

Fotogr. (Abb. in: Macha-Krau 1986, S. 246; Reprod. Ref. Lit. des LWL Münster).

Nachlass/Vorlass

I. Bestände in westfälischen Archiven – II. Weitere Handschriften in Westfalen: 1. StLB Dortmund: Briefe an Wilhelm Uhlmann-Bixterheide, 1912, 1920 (2).

Bestände außerhalb Westfalens
Nachschlagewerke

Geißler 1913 – Degener, 10. Ausg. 1935 – Klotz, Bd. 3, 1994 – Dt. Biogr. Archiv, N.F., Fiche 883, Sp. 20f. – Datenbank www.juedischeliteraturwestfalen.de.

GND-Nummer
116956224   Link zu diesem Datensatz in der DNB

Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld

Institution
Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld
Bestand
angereicherter Nachlass
Ordnung
geordnet
Umfang
2 Archivkartons
Nutzung
uneingeschränkt
Signatur
Nachlass Metz, Nr. 1-41
Inhalt

Veröffentlichte und unveröffentlichte Werkmanuskripte in Handschrift und Typoskripten; Korrespondenz mit Verlagen, Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen sowie anderen Institutionen und Privatpersonen: Briefe von Fritz Engel, von Max Cahnbley, 9.9.1917; Veranstaltungsprogramme, Zeischriften- und Zeitungsveröffentlichung ihrer Werke; Werkrezensionen

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Bitte beachten Sie, dass die Daten zu Beständen außerhalb Westfalens zuletzt 2005 erhoben wurden und derzeit einer Aktualisierung unterzogen werden.

1. StB München: 1 Brief – 2. StUB Frankfurt/M.: Briefe an R. Presber, 1907-1914 (13) – 3. StUB Hamburg (Nachlass A. Janssen): Brief an Alfred Janssen, 21.7.1911 – 4. ULB München (Nachlass Maassen): Briefe und Karten mit 2 Ged. an Carl Georg von Maassen, 1922-1933 (22); Briefe von Hans Metz, 4.10.1928. – 5. Theatermuseum Köln: Albumbl. an Martin G. Sarneck, 1928; Briefe an Martin G. Sarneck, 1928-1931 (2) – 6. UB Gießen: Brief an Gustav Bock, 15.5.1901.