Carl Severing


Biographie

Geboren am 1. Juni 1875 in Herford als Sohn eines Zigarrensortierers. Besuch der Volksschule und der Fortbildungsschule in Herford. Schlosserlehre. Er arbeitete in Fabriken in Bielefeld, Barmen und Zürich und wurde 1901 Geschäftsführer der Verwaltungsstelle Bielefeld des Deutschen Metallarbeiterverbandes. 1912 übernahm er die Schriftleitung der Bielefelder Volkswacht und wurde Mitarbeiter der Sozialistischen Monatshefte. Von 1897 bis 1898 war er Mitglied des Zentralvorstandes des Schweizerischen Metallarbeiterverbandes und 1899 Präses des Züricher Schlosserfachvereins. Von 1905 bis 1924 Stadtverordneter in Bielefeld und 1919/1920 Reichskommissar für den rheinisch-westfälischen Industriebezirk, von 1919 bis 1920 war er Mitglied der Nationalversammlung und der preußischen Landesversammlung. Seit 1921 Mitglied des preußischen Landtags und seit 1920 Mitglied des Reichstags, dem er bereits 1907 bis 1911 angehört hatte. Vom März 1920 bis zum April 1921 und vom November 1921 bis Oktober 1926 war er Preußischer Minister des Innern und von Juni 1928 bis zum März 1930 Reichsminister des Innern. Im November 1930 wurde er wieder zum Preußischen Innenminister ernannt. Während der NS-Zeit war er ohne Beruf und lebte zeitweilig unter falschem Namen. Schriftstellerische Tätigkeit wurde ihm untersagt. Nach der Kapitulation gehörte er zu den Wiederbegründern der Sozialdemokratischen Partei in Ostwestfalen-Lippe, ohne jedoch auf Bundesebene wieder eine führende Position einzunehmen. Er arbeitete bis zu seinem Tod am 23. Juli 1952 im Ältestenrat des Landtags mit.

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Selbstständige Veröffentlichungen

Sozialdemokratie und Völkerhaß. Berlin-Karlshorst 1915 (= Kriegsprobleme der Arbeiterklasse 11) – Wie es kam. Rede […] über die Unruhen im Ruhrgebiet. Dortmund, Berlin 1920 – 1919/1920 im Wetter- und Wanerwinkel. Bielefeld: Volkswacht 1927. 255 S. (Bibl. WHB Münster, Lipp. LB Detmold, StUB Köln, StLB Dortmund u.ö.) – Severings Kommunistengesetz. Berlin: Internationaler Arbeiter-Verlag 1930 – Gegen die öffentlichen Verleumder. Flugschrift. Bielefeld 1945 – Der 20. Juli 1932 in Dichtung und Wahrheit. Bielefeld: Phönix 1946. 31 S. [Pseud. W. Gerviens] (Lipp. LB Detmold) – Wegbereiter des Nationalsozialismus. Bielefeld: Phönix 1947 – Mein Lebensweg. 2 Bde. Köln: Greven 1950. XI, 465 S.; VI, 525 S. (ULB Münster, UB Bonn, StUB Köln u.ö.) – postum: Unsere Linie. Worte Carl Severings, die unserer Tageszeitung „Freie Presse“ das Geleit gaben. Bielefeld: Phönix 1953. 69 S. (StA Bielefeld).

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Herausgabe

Freie Presse. Herford 1946-1948 [Mitbegründer; Chefred.].

Unselbstständige Veröffentlichungen in

Volkswacht, Bielefeld 1892-1896 [regelm. Berichte aus der Arbeitswelt, polit. Beitr.]; Jg. 1897ff. [Berichte über seine polit. Arbeit]; Jg. 1912 [polit. Ltg.; Red.; Beitr.] – Festschr. des Metallarbeiterverbandes. Verwaltungsstelle Bielefeld. Bielefeld 1905: 1891-1905. Ein Rückblick – Sozialistische Monatshefte, Berlin 1909, 15, 7, S. 434: Hüttenarbeiterschutz; [zahlreiche weitere Beiträge in den Sozialistischen Monatsheften] – A. Bozi, H. Heinemann (Hg.): Recht, Verwaltung und Politik in Deutschland. Stuttgart 1916: Die Presse der Zukunft – SPD-Jahrbuch 1928. Berlin 1929: Einheitsstaat und Reichsverfassung – A. Biedermann: Eine offene Wunde. Berlin 1928: Vorwort – Deutschland. Jahrbuch für das deutsche Volk. Leipzig: Heling 1928, S. 47: Arbeiterschaft und Staat – Der Weg zum Einheitsstaat. Berlin 1929: Vorwort – F. K. Dessauer (Hg.): Wie erziehen wir republikanischer  Menschen? Langensalza 1929: Vorwort – Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alkoholgegner (Hg.): Gegen den Alkoholismus. Berlin 1930: Der Staat und der Kampf gegen den Alkohol – P. Riege, H. Baerensprung: Schutz, Ordnung, Sicherheit. Berlin: Kameradschaft 1931: Geleitwort – Gesetz zum Schutze der Republik. Mannheim: Bensheimer 1931: Geleitwort – F. K. Meier: Ist Schacht ein Verbrecher? Reutlingen: Die Zukunft 1947: Vorwort – E. van dem Bergh: Der Polizeigedanke einst und jetzt. Frankfurt a. M.: Reinhardt 1949: Vorwort – Sozialdemokratischer Pressedienst 1950, 219, S. 1: Sieg der Idee. Severing zum Sozialistengesetzpostum: Herforder Jb. 1961, Bd. 2; Jg. 1963, Bd. 4: Meine Kinder- und Schuljahre; Meine Lehrjahre – D. H. Klein (Hg.): Bielefeld. Ein Lesebuch. Husum: Husum 1988, S. 106: Dürkopps Reaktion auf Arbeiterforderungen – vielfältige Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, in: Vossische Ztg., Berlin; Volksfreund, Braunschweig; Die Neue Zeit, Wochenschr. der dt. Sozialdemokratie, Berlin; Freie Presse, Bielefeld.

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Rundfunk über

H. Lademacher: Ein Preuße aus Westfalen. Erinnerung an Carl Severing. Köln: WDR 16.07.1977.

Briefe

in: H. Gunnemann (Hg.): Aus dunklen Tagen. Zeitgenössische Briefe der Jahre 1933-1950. Dortmund: Stadt- und Landesbibliothek 1971, S. 39M. Schneider: Auf dem Weg in die Krise. These und Materialien zum Ruhreisenstreit 1928/29. Wentorf: Einhorn-Prese Främcke 1974.

Zeitgenössische Zeugnisse

Wilhelm Keil: Erlebnisse eines Sozialdemokraten. 2 Bde. Stuttgart 1948 – Rudolf Diels: Lucifer ante portas. Zwischen Severing und Heydrich. Zürich 1949 – Arnold Brecht: Aus nächster Nähe. Lebenserinnerungen 1884-1927. Stuttgart 1966 – Rudolf Diels: Mit der Kraft des Geistes. Lebenserinnerungen. Stuttgart 1967 – Heinrich Brüning: Memoiren 1918-1934. Stuttgart 1970 – Franz Mehring: Geschichte der Sozialdemokratie. 2 Bde. Berlin/Ost 1980.

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Selbstständige Veröffentlichungen über

E. Unger-Winkelried: Nun, Genosse Severing? Offener Brief an Severing. Berlin: Brunnen 1930 – K. H. Kickhövel: Das System Severing. Berlin: Deutschnationale Schriftenvertriebsstelle 1924 – H. Menzel: Carl Severing. Berlin 1932 – Carl Severing. 75 Jahre. 1. Juni 1950. Bielefeld: Freie Presse 1950 – G. de Thier: Beitr. zur Geschichte der Parteipresse. Carl Severing. Diss. München 1955 – W. Wimmer: Der Staatsstreich vom 20. Juli 1932 gegen die preußische Regierung Braun-Severing und seine Vorgesch. Diss. Berlin/Ost 1962 – K. Neumann: Carl Severing. Von der Armenschule ins Ministeramt. Münster: LWL 1991 – T. Alexander: Carl Severing. Sozialdemokrat aus Westfalen mit preußischen Tugenden. Bielefeld: Westfalen 1992 [Fotogr.; Abb.; Bibliogr.] – T. Alexander: Carl Severing, ein Demokrat und Sozialist in Weimar. Frankfurt a. M.: Lang 1994.

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Unselbstständige Veröffentlichungen über

J. Fischart: Carl Severing, in: Das alte und das neue System. Berlin 1925, S. 225ff. – K. Marx, Pfeiffenberger: Zum Abschied Severings, in: Mitteilungsbl. des Verbandes sozialdemokratischer Akademiker Heidelberg, Mannheim, 1, 1926/1927, Nr. 4, S. 1 – Warum wurde Severing nicht gehängt? Der Dank für 1919, in: Vossische Ztg., Berlin, vom 28.8.1929 – KP umwirbt Severing, in: Sozialdemokratischer Pressedienst 1947, 23, S. 8 – W. Menzel: Carl Severing und der 20. Juli 1932, in: Die Gegenwart, 7, 1952, Nr. 23, S. 734f. – M. G.: In Memoriam Carl Severing. Ein großer Sohn unseres Volkes, in: Sozialdemokratischer Pressedienst 1965, 100, S. 3 – H. Lademacher: Carl Severing, in: W. Först (Hg.): Politik und Landschaft. Düsseldorf 1969, S. 135ff. – J. Loreck: Ein Fanatiker der Pflichterfüllung. Zum 25. Todestag von Carl Severing, in: Sozialdemokratischer Pressedienst 1977, 138, S. 5 – H. Lademacher: Carl Severing, in: W. Först (Hg.): Raum und Politik. Köln 1979, S. 177ff. – H. Lademacher: Carl Severing, in: W. Först (Hg.): Aus dreißig Jahren. Rheinisch-westfälische Politiker-Porträts. Köln: Grote 1979, S. 10 – L. Singer: Carl Severing, eine Schlüsselfigur der Weimarer Republik, in: L. Singer: Marxisten im Widerstreit. Stuttgart 1974, S. 127ff. – K. Koszyk: Carl Severing, in: Westf. Lebensbilder 11, 1978, S. 172-201 [Fotogr.] – O. Hennig: Carl Severing wäre heute ein Christlich-Sozialer, in: Westf. Beobachter, Bielefeld, vom 11.8.1982 – D. Meyer:  „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Bielefelder!“. Carl Severing, in: „Demokratie: unser Weg, Demokratie: unser Ziel!“. Hg. vom Bezirksvorstand der SPD Ostwestfalen-Lippe. Hamburg-Eppendorf  1993, S. 29-40 –  K. Koszyk: Carl Severing, in: Publizistik und politisches Engagement: Lebensbilder publizistischer Persönlichkeiten. Hg. von  K. Koszyk. Münster 1999, S. 375-402 – F. Henßler: Gedenkrede für Carl Severing bei seiner Beerdigung am 26. Juli 1952, in: G. Högl (Hg.): Fritz Henßler. “Die Person immer ganz weit hinter der Sache“. 1886-1953. Essen: Klartext 2003, S. 73 – H. Tammena: Zwei demokratische Preußen. Über die Verdienste der preußischen Innenminister Severing und Grzesinski, in: Perspektive 21, 2008, S. 67 – F.-W. Kersting: Carl Severing, in: K. Böck (Hg.): 200 Jahre Westfalen. Jetzt! Münster: Aschendorff 2015, S. 154 – V. Köhler: Bürokratie, Politik und Klienten. Carl Severing als Patron und Parteigenosse, in: A. Braune (Hg.), M. Dreyer (Hg.): Republikanischer Alltag. Stuttgart: Franz Steiner 2017, S. 119.

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Erwähnungen in

H. Michaelis (Hg.): Ursachen und Folgen. Bd. 7. Berlin: Wendler 1962; auch in Bd. 8 und 9, 1963, 1964 – R. Morsey (Hg.): Das “Ermächtigungsgesetz“ vom 24. März 1933. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1968 – G. Engel: Politische Geschichte Westfalens. Köln: Grote 1969 – R. M. W. Kempner: Ankläger einer Epoche. Lebenserinnerungen. Frankfurt a. M.: Ullstein 1983 – H. Buschfort: Zwischen Soutane und roten Fahnen. Die Geschichte der Bocholter SPD. Essen: Klartext 1986 – G. Engel: Die Westfalen. Volk, Geschichte, Kultur. Bielefeld: Westfalen 1987 – G. Scholz: Kurt Schumacher. Düsseldorf: Econ 1988 – R. Krumpholz: Wahrnehmung und Politik. Die Bedeutung des Ordnungsdenkens für das politische Handeln am Beispiel der deutschen Revolution von 1918-1920. Münster: Lit 1998 – W. Smaldone: Confronting Hitler. German Social Democrats in defense of the Weimar Republic 1929-1933. Rowan & Littlefield 2009 – vgl. das Literaturverz. bei Alexander 1992 (s.o.).

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Bildnis

1. Fotoslg. (StA Bielefeld) – 2. Fotoslg. (Archiv der soz. Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn) – 3. Fotoslg. (NW HSA Düsseldorf) – 4. Fotogr. (Abb. in: Alexander 1992; Reprod. Ref. Lit. des LWL Münster).

Handschriftliches

1. Archiv der soz. Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn (Nachlass): Personalakten; Bildmat. – 2. KA Herford: Bildmat.; Exemplare der von Severing nach 1945 hg. Freien Presse – weitere Quellen s. Alexander 1992 (s.o.).

Nachschlagewerke

Hb. der verfassungsgebenden Nationalverslg. 1919 [Fotogr.] – Horkenbach 1930 – Reichshb. der dt. Gesellsch., Bd. 2, 1931 [Fotogr.]; Bd. 3, 1933 – Wer ist wer? 1948 – Biogr. Wörterbuch zur dt. Geschichte 1953 – Stockhorst 1967 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 [Fotogr.] – Dt. Biogr. Archiv, N.F., Fiche 1219, Sp. 293-353.

Grabstätte/ Gedenkstätte

Auf dem Bielefelder Friedhof.

GND-Nummer
11879678X   Link zu diesem Datensatz in der DNB