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Schriftsteller
Biographie

Oskar Wöhrle wurde am 26. Januar 1890 als ältester Sohn eines Schuhmachers im elsässischen Saint-Louis geboren, besuchte seit 1904 die Schule in Colmar und begann eine Ausbildung zum Lehrer. Die in dem Lehrerausbildungsinstitut geforderte Disziplin brachte er aber nicht auf. Er flüchtete und begann ein Vagabunden- und Bohèmeleben, das ihn durch Frankreich und die Mittelmeerländer führte. Aus materieller Not schloss er sich der Fremdenlegion an, aus der er nach einer Verwundung desertierte und nach Saint-Louis zurückkehrte. 1911 trat er in die deutsche Armee ein, scheiterte aber wieder an den Anforderungen der Disziplin. Ein geregeltes Leben führte er erstmals als Journalist der literarischen Zeitschrift „Die Lese“ in München. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er als Elsässer der Spionage verdächtigt und meldete sich auf der Flucht vor der Polizei als Freiwilliger in seinem alten deutschen Regiment. Einen großen Teil des Krieges verbrachte er in Litauen, für dessen Geschichte und Kultur er sich sehr interessierte. Nach dem Krieg kehrte er ins Elsass zurück, wo er als Deutscher des Betrugs verdächtigt wurde. Er floh nach Konstanz und gründete dort einen Verlag. Misswirtschaft und Inflation ruinierten ihn. Der Literaturpreis der Tschechoslowakei für seinen Roman Jan Hus ermöglichte ihm für einige Monate den Aufenthalt in Prag, von dort ging er Anfang der dreißiger Jahre nach Berlin. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zwang ihn erneut zur Flucht über das Elsass wieder nach Prag. 1937 kehrte er nach Süddeutschland zurück, lebte in Baden und floh 1944 noch einmal vor dem Krieg nach Basel. Er starb am 31. Januar 1946 in Glotterbad im Schwarzwald an den Folgen der Diabetes, an der er seit langem litt.

Wöhrle begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Gedichten aus seiner Vagabundenzeit vor dem 1. Weltkrieg, denen mehrere Gedichtbände folgten. Sein erster großer Erfolg war der Roman Der Baldamus und seine Streiche 1912/1916, es folgten das Sundgaubuch und der Roman über Jan Hus 1929.

Wöhrle zählte zu den 131 Schriftstellern, deren Bücher entweder am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt oder sechs Tage später aus den öffentlichen Büchereien entfernt wurden. Später kollaborierte er jedoch mit NS-Behörden.

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Auszeichnungen

Literaturpreis der Tschechoslowakei (1932) – Erwin-von-Steinbach-Preis der Stiftung F.V.S. für „alemannisches Volkstum“ im Elsass, in der Schweiz und im Deutschen Reich (1940).

Selbstständige Veröffentlichungen

Der Baldamus und seine Streiche. Mit Einführung von G. Muschner. Buchausstattung von Carl Breuer. Stuttgart: Die Lese 1913 – Die frühen Lieder. Stuttgart: Schrader 1914 – Als ein Soldat in Reih und Glied: Gedichte. Berlin: Fleischel 1915 – Soldatenblut: Geschichten. Berlin: Fleischel 1915 – Das Bumserbuch. Berlin: Fleischel 1916; Konstanz [Hussenstr. 18]: See-Verlag 1925 – Ein deutscher Handwerksbursch der Biedermeierzeit: Auf d. Walze durch d. Balkan u. Orient. Nacherzählt von Oskar Wöhrle. [Bearb. von H. Schwerdt]. Stuttgart: Die Lese 1916 – Der Ring: Neue Lautenlieder. Gedichtet von Oskar Wöhrle, zur Laute gesungen von Fritz Jöde. Leipzig: Matthes 1917 – Vivat, du wackere Armee: Singlieder für d. Soldaten d. 10. Armee. [s. l.]: Zeitung d. 10. Armee 1918 – Der Baldamus und seine Streiche. Berlin: Der Bücherkreis, Berlin: [J. Ladyschnikow] 1927; Berlin: Der Bücherkreis, [Leipzig]: [Volckmar] 1931 – Das Vier-Männer-Buch: Erlebnisnovellen. Von Barthel, Jung, Scharrer, Wöhrle. Berlin: Der Bücherkreis 1929 – Querschläger: Das Bumserbuch. Aufzeichnungen eines Kanoniers. Berlin: J. H. W. Dietz Nachf. 1929 – Das Rattennest: Roman. Dresden: Kaden & Comp. 1929 – Jan Hus: Der letzte Tag. Geschichtl. Roman. Berlin: Der Bücherkreis, [Leipzig]: [Volckmar] 1932 [Ausg. 1931] – Die Schiltigheimer Ernte: Gedichte. Strassburg, Rue des Francs-Bourgeois 5: Joseph Heissler 1934 – Kamrad im grauen Heer: Ein Soldatenbrevier. [Gedichte]. [Freiburg i. Br., Erwinstr. 84]: [O. Wöhrle] 1939; München: C. H. Beck 1940; Straßburg: Hünenburg-Verl. 1942 – Pömperles Ausfahrt in die Welt: Elsässische Novelle. Karlsruhe [Bismarckstr. 24]: Dt. Scheffelbund 1940 – Lustig ist das Landserleben: Neue Soldatenlieder. Zum Teil mit eigenen Singweisen. Freiburg: Freiburger Bücherstube [1940] – Die Schiltigheimer Ernte: Gedichte. Kolmar: Verl. Alsatia 1941 – Kaktüs un kei And: E-n-elsassisch Lustspiel in drei Uffzig un miteme Vorspiel. Kolmar: Verl. 1941 – Das Sundgaubuch: Elsäss. Geschichten. Ebd. 1941 – Das Elsaß: Ein Hymnus. Bielefeld, Leipzig: Velhagen & Klasing. 1942 – postum: Der Baldamus und seine Streiche. Oskar Wöhrle. Mit einem Nachw. von Manfred Bosch und Guilleaume Platt. Karlsruhe: Braun 1992 – Das Drei-Elsässer-Buch. Morand Claden, Eduard Reinacher, Oskar Wöhrle. St. Ingbert: Röhrig 2007.

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Übersetzungen

Jan Herben: Masaryks Familienleben. Aus dem Tschechischen von Oskar Wöhrle. Prag: Družstevni práce 1937.

Unselbstständige Veröffentlichungen in

Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 7, 1915, 25, S. 195: Das Wunder – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 7, 1915, 25, S. 200: Der Großhans – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 7, 1915, 26, S. 208: Hinter den Tischen – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 8, 1916, 1, S. 3: Die Geldscheibe – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 8, 1916, 4, S. 31: Die Uniform des Todes – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 8, 1916, 16, S. 126-128: Die Gasse – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 9, 1917, 15, S. 114-115: Das Panjefohlen: eine Skizze aus Wilna von Oskar Wöhrle – Arbeiter-Jugend: Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, Bd. 9, 1917, 16, S. 127-128: Der Traum – Der Weihnachtsabend. Berlin: Schriftenvertriebsanstalt (Kranzverl.) 1924: Fremdenlegionärs Weihnachten – Der freie Angestellte: Zeitschrift des Zentralverbandes der Angestellten, 35, 1931, H.3, S. 47: Die Peitsche – Der freie Angestellte: Zeitschrift des Zentralverbandes der Angestellten, 35, 1931, H. 6, S. 95: Märzgefühle – Auslese. Stimmen deutscher Dichter. Berlin: Büchergilde Gutenberg 1935: Junge Wäscherin – Oberrheinische Heimat: Zeitschrift für Volkskunde, ländliche Wohlfahrtspflege, Heimat- und Denkmalschutz, Bd. 27, 1940, S. 437: Rößleretti postum: B. Bender: Gedichtet und erlebt. Erzählungen von Bernhard Bender, Elisabeth Bentmann, Karl Staiger, Oskar Wöhrle, Wilhelm Zentner. Karlsruhe: Volksbund f. Dichtung (Scheffel-Bund) 1953.

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Tonträger

Gib mir den letzten Kuß: 6 Kriegs-Volkslieder. Von Hermann Poppen, Peter Scher, Rudolf Alexander Schröder, Ludwig Thoma, Oskar Wöhrle u. Hugo Zuckermann. Jena: Diedrichs 1915Eine Glocke läutet im Grund: 3 Kriegslieder, für eine Singstimme und Klavier. Von Richard Dehmel, Hermann Hesse, James Simon u. Oskar Wöhrle. Jena: Diedrichs 1915Soldatenlied. Für Gesang und Gitarre vertont von Armin Knab. 1915 – Soldatenlied: Viel blankes Geld… von Oskar Wöhrle, ges. von Otto Matthes. Zwickau: Erckens 1915 – Zum Aufbruch. Von T. Röhmeyer u. Oskar Wöhrle: Pforzheim: Röhmeyer 1915 E.L. Wittmer: Feldzug in Polen: sechs Lieder für eine Singstimme und Klavier von Oskar Wöhrle. Heidelberg: Hochstein 1941 H. Bräutigam: Der Krieg stösst in sein Horn. Soldaten-Kantate nach Worten von Max Bathel u. Oskar Wöhrle, für 2-4 stg. Männerchor und Blasorchester. Potsdam: Voggenreiter 1942Die Verlassene: flohen die grauen Gänse. Musik: Kurt Schwaen, Text: Oskar Wörhle. Weimar: Thüringer Volksverl. 1952 – F. Biebl: Den Gefallenen. Auf Worte von Josef Weinheber und Oscar Wöhrle. Singpartitur, für gemischten Chor. Rodenkirchen am Rhein: Tonger 1964.

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Briefe

Briefsammlung. Enthält: Briefwechsel mit Martin Andersen Nexø; Verlagsverträge, von Andersen Nexø bzw. seiner Frau unterzeichnete Quittungen, Geschäftspapiere (Abrechnungen, Kontenblätter, Verlagskorrespondenz mit Dritten), Gerichtssachen, von 1921-1926, in: Verlagsakte vom Oskar Wöhrle Verlag.

Unselbstständige Veröffentlichungen über

M. Bosch: „Man ist doch schließlich kein Hund!“: O. Wöhrle, sein Roman „Baldamus“ und die Färberei Schusterinsel, in: Willa: Jahrbuch für Weil am Rhein, 1986, S. 63-69 – M. Bosch: Die Konstanzer Jahre des Oskar Wöhrle, in: Konstanzer Almanach: das illustrierte Jahrbuch der Stadt Konstanz mit Beiträgen aus der Vielfalt kommunalen Lebens; ein Spiegelbild des Geschehens dieser Stadt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Bd. 34, 1988, S. 51-54 – M. Bosch: Der kurze Traum von einem „Proletarierverlag“, in: Bodensee-Hefte: Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Bd. 41, 1990, H. 3, S. 20-25 – M. Bosch: Im Spannungsfeld einer tödlichen Alternative: der elsässische Dichter Oskar Wöhrle, in: Hiergeblieben oder Heimat und andere Einbildungen. Eggingen: Ed. Isele 1997, S. 78-97 M. Bosch: Oskar Wöhrle, Verleger und Autor: ein Elsässer macht sich zum bedeutendsten Verleger im expressionistischen Konstanz, in: Bohème am Bodensee: literarisches Leben am See von 1900 bis 1950. Lengwil am Bodensee: Libelle-Verl. 1997, S. 433-438 – G. Scholdt: Vor Wiederholung wird gewarnt. Oskar Wöhrles Antikriegsbuch „Querschläger“, in: R. Wild (Hg.): Dennoch leben sie: verfemte Bücher, verfolgte Autorinnen und Autoren: zu den Auswirkungen nationalsozialistischer Literaturpolitik. München: edition text + kritik GmbH 2003, S. 425 ff. – I. Grob: Das rastlose Leben des Schriftstellers Oskar Wöhrle, in: Die Neueste Melusine, 2007, H.2, S. 34-45 – I. Pohlmann: Drei „Hergelaufene“ am See: Oskar Wöhrle, Eduard Reinacher, Martin Andersen Nexö, in: Hegau: Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Bd. 68, 2011, S. 177-194.

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Erwähnungen in

C. Jenssen: So spricht sich das Herz aus: deutsche Mundartdichtungen. Düsseldorf: Bagel 1939. S. 251-252 – R. Dithmar: Der Langemarck-Mythos in Dichtung und Unterricht. Neuwied: Luchterhand 1992. S. 77-78 – V. Weidemann: Das Buch der verbrannten Bücher. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2008. S. 41-54 – F. Krause: Geruchslandschaften mit Kriegsleichen: deutsche, englische und französische Prosa zum Ersten Weltkrieg. Göttingen: V&R unipress 2016. S. 90-91.

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Nachlass/Vorlass
GND-Nummer
11901470X   Link zu diesem Datensatz in der DNB

Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt

Institution
Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt
Bestand
Teilnachlass
Ordnung
geordnet
Umfang
0,25 lfd. Meter
Nutzung
uneingeschränkt
Laufzeit
1913-1943
Inhalt

Werke, Briefe, Lebensdokumente, Sammelstücke.