Luise von Bornstedt


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Biographie

Luise von Bornstedt

Geboren am 11. Dezember 1807 in Kronen-Teltow/Potsdam als Tochter eines preußischen Oberstleutnants. Nach Trennung ihrer Eltern lebte sie mit ihrer Mutter in Berlin und zeitweilig in Dresden. 1831 Konversion zum Katholizismus. Der Tod des Vaters ließ die Familie 1832 in ärmlichen Verhältnissen zurück. Im Herbst 1836 Umzug nach Münster, um dort bei der Gräfin Stolberg Hilfe zu finden. Sie lebte hier als Klavier- und Sprachlehrerin. Seit 1837 stand sie im Kontakt zum literarischen Zirkel der Elise Rüdiger und zum Kreis um Christoph Bernhard Schlüter. Beginn einer wechselhaften, brieflich dokumentierten Beziehung zu Annette von Droste-Hülshoff. 1839 Reise in die Schweiz, über die sie literarisch berichtete. Auf dieser Reise Bekanntschaft mit der Gräfin Ida de Bocarmé, bei der sie sich im Frühjahr 1843 in Paris aufhielt. Das Haus der Gräfin war Mittelpunkt eines Künstler- und Literatenkreises. In diesem Zirkel Bekanntschaft mit Honoré de Balzac, der Luise von Bornstedt in seinem Briefwechsel erwähnt. Nach einem anschließenden Aufenthalt in der Schweiz Rückkehr nach Münster. Sie lebte um 1853 in Luzern und später in Teplitz/Schönau. Durch einen Erlaß Friedrich Wilhelms IV. von 1853 wurde ihr eine jährliche Pension von 60 Talern zuteil, die später auf 100 Taler erhöht wurde. Im folgenden Jahr wurde sie mit Karl Gutzkow bekannt, der ihr in seinem Roman Der Zauberer von Rom in der Person der Lucinde ein idealisiertes Abbild schuf (vgl. Velthaus 1917, S. 97). 1857 begab sie sich nach Berlin, wo sich Mitglieder der Gesellschaft ihrer annahmen. Ihre Schrift Das Gefecht bei Wavre an der Dyle […], in der sie die militärischen Verdienste ihres Vaters hervorhob, fand große Anerkennung und brachte ihr eine vom König verliehene goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft ein. Sie starb am 3. September 1870 in Bad Rehme/Bad Oeynhausen.

Die Droste fand das Werk Luise von Bornstedts auf wunderliche Weise zugleich gut und schlecht. Sie stieß sich am exaltierten Wesen der zeitweiligen Freundin, ihrer schwärmerischen Religiosität und übersteigerten Phantasie (vgl. Kortländer 1979, S. 301-303).

Pseudonyme: Louise; …e von …dt; Louise von B.

Selbständige Veröffentlichungen: Pilgerklänge einer Heimatlosen. Berlin 1833 – Die Legende von der gnadenreichen Lebensführung und dem glorreichen Martertode der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Sankt Katharina. Aus Legendarien des 15. und 16. Jahrhunderts zusammengetragen von der Verfasserin der „Pilgerklänge einer Heimatlosen“. Vorw. von J. Görres. Münster: Deiters 1838 (ULB Münster) – Der heilige Ludgerus, erster Bischof von Münster, und die Bekehrungsgeschichte der Friesen und Westphalen. Münster: Theissing 1842 (ULB Münster); 2. Aufl. ebd. 1884; Nachdr. ebd. 1856. XVI, 298S. (WLMKuK Münster) – Legende von der heiligen Büßerin Maria Magdalena und ihrer Schwester Martha. Aus den Evangelien, einer Legende von Matthäus Tymbinus, aus den Gesängen Jesu 1628 und der Überlieferung der Bolandisten und des Curius zusammengetragen. Luzern: Räber; Augsburg: Kollmann 1845 – Gedichte. Berlin: Duncker 1853. VIII, 126S.; 2. Aufl. 1867 – Gebetbuch zum Herzen Jesu und Mariä. Leipzig 1847; 2. Aufl. Leipzig 1856 – Das Gefecht bei Wavre an der Dyle am 18. und 19. Juni 1815 und sein Einfluß auf die Schlacht von La Belle Alliance. Eine Monographie aus den nachgelassenen Papieren des Majors von Bornstedt oder der 14stündige Kampf der Landwehrbataillone unter Major von Bornstedt gegen das 32 000 Mann starke Corps von Gruchy und Bandamme. Berlin 1858 (ULB Münster) – Die gebannte Seele. Eine religiöse Idylle. Nach dem Französischen der Gräfin Hautefeuille frei bearbeitet. Münster: Aschendorff 1858. 108S.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Coelestina 1838, S. 249-251: Alle eure Sorge werfet auf Ihn [Ged.; Pseud. Louise v. B.]; S. 253-255: Am Grab der Nonne zu Dülmen [Ged.; Pseud. Louise] – Schücking: Rhein. Jb. für Kunst und Poesie 1840, S. 419: Windesstimmen; S. 422: Schweigen – Rhein. Odeon 1840: Abendklänge – Rhein. Jb. 1841, S. 410f.: Liebeslied [Ged.] – Dresdener Abendbl. vom 23.2.1842: Schwanengeschichte. Nach der Natur gez. von L.v. Bornstedt – von Tabouillot: Damen-Almanach 1842, S. 45-104: Briefe einer Dame vom Rheine und der Schweiz [Pseud. …e von …dt]; Vergessenheit [Ged.]; An den Rhein (Auf dem Dampfschiffe „Graf von Paris“) [Ged.] – Steinmann: Musenalmanach 1843: Stille [Ged.]; Aus der Tiefe [Ged.] – Die Grenzboten 19, 1860, Bd. 1, S. 193-199: Aus dem Leben Annette’s v. Droste – Europa 1860, Nr. 8, S. 269: Biographisches über Annette v. Droste-Hülshoff – Dt. Hausschatz 1878f., S. 136f. [Ged.] – postum: Hüttemann 1898: Liebeslied [Ged.]; Schweigen [Ged.] – Folkerts: Münster 1992, S. 25f.: Der Heilige Ludgerus – weitere Ged. und Aufs. in Musenalmanachen und Zeitschr., zahlr. anonyme Beitr. in Zeitschr. und Taschenbüchern: Der Freihafen 1838-1844; Mnemosyne 1831-1840; Illyrisches Wochenbl. zum Nutzen und Vergnügen 1834-1843; Unterhaltungsbl. für Stadt und Land 1836-1848; Abend-Ztg. 1837-1857; Morgenbl.1837-1846; Dt. Theebl. 1839; Dt. Blätter für Lit. und Leben 1840; Charivari [zwischen 1842-1851]; Kaatzer’s Album 1845-1848 – Annette von Droste-Hülshoff schrieb diesbezüglich am 29.1.1839 an ihre Schwester Jenny: der Bornstedt ihre Schreiberey bedeutet nicht viel, doch verdirbt sie keinen Stoff ganz, ist in allen Sätteln gerecht, und liefert, wie die Verleger es verlangen, bald eine Erzählung, bald einen Operntext, – Gedichte, Heiligenlegenden, – aber immer anonym, und hat schon viel Geld damit verdient. – Du hast wahrscheinlich schon was von ihr gelesen, ohne es zu wissen, denn sie paradirt fast in allen Taschenbüchern und Journalen (Droste-HKA, Bd. IX, S. 19).

Briefwechsel: Korrespondenz mit Annette von Droste-Hülshoff s. Droste-HKA, Bd. XIV, S. 368f., 393f. [mit Angabe der Erstdr., Standorte und Lit.] – B. Kortländer: Kritik der Droste an Dickens‘ Oliver Twist. Ein Brief [der Droste] an Luise von Bornstedt vom 3.5.1839, in: Beitr. zur Drosteforschung 1, 1971, S. 16-24; dass. in: ARE 27, Jan. 1971, Nr. 140, S. 3.

Zeitgenössische Zeugnisse: F.v.H. [_Elise Rüdiger]: Die Dichterin der Heide, in: Unterhaltungen am häusl. Herd 3, 1862, Bd. 2, Nr. 25, S. 481-487; hier: S. 485 – häufig erwähnt im Briefwechsel Annette von Droste-Hülshoffs mit Levin Schücking, Christoph Bernhard Schlüter; erwähnt im Briefwechsel zwischen Honoré de Balzac und seiner späteren Frau Mme. Hanska.

Selbständige Veröffentlichungen über Louise von Bornstedt: W.H. Velthaus: Luise von Bornstedt. Ein Frauenbild aus dem Kreise Annettens von Droste-Hülshoff. Diss. Münster, Bückeburg [um 1917] (ULB Münster) [Rez.: J. Schwering, in: Münsterischer Anzeiger, Beil. „Unsere Heimat“, Nr. 2 vom 21.2.1927, S. 9-12].

Unselbständige Veröffentlichungen über Luise von Bornstedt: J. Schwering: Ein Frauenbild aus dem Lebenskreis Annette von Droste-Hülshoffs [Luise von Bornstedt], in: ARE 1, 1924, S. 184-193 (ULB Münster).

Erwähnungen in: K[arl] F[renzel]: Annette Freiin von Droste-Hülshoff I, in: Königl. Privileg. Berlinische Ztg. Nr. 167, 20.7.1862, Beil. 1, S. 1-3; hier: S. 2 – F. Fraling: Annette Elisabeth von Droste-Hülshoff, in: Der Salon Nr. 49f. vom 18. und 22.7.1842, S. 195f. – E. Arens: Annette v. Droste und Luise Hensel, in: Kölnische Volksztg., Lit. Beil., Nr. 7 vom 15.2.1912, S. 45f. – Massenkeil 1914, S. 56 – M. Krass: Annette v. Drostes Wohltätigkeit, in: Kölnische Volksztg., Nr. 726 vom 9.10.1921, S. 1f. – Casser 1928, S. 249f. – G. Fittbogen: Mathilde Anneke und Levin Schücking in Münster, in: ARE 12, 19.10.1936, Nr. 1, S. 5f. – Schneider 1952 [s. Reg.] – Nettesheim 1956 [s. Reg.] – Heselhaus 1971 [s. Reg.] – Sengle, Bd. 2, 1972 [s. Reg.] – Nettesheim 1976 [s. Reg.] – Kortländer 1979, S. 301-305 [s. auch Reg.] – Woesler 1980 [s. Reg.] – Maurer 1982 [s. Reg.] – Morgan 1984 [s. Reg.] – Folkerts 1986, S. 46f., 66, 132 [Kurzbiogr.] – Hänsel 1987, S. 265 – Walter 1987 [s. Reg.] – Gödden, 1988-1990, S. 118-152 – Hänsel-Hohenhausen 1991, Bd. 2, S. 1020, 1178 – B. Plachta: „Le papier ne rougit pas“. Gefühl und Kalkül in Briefen an Annette von Droste-Hülshoff, in: Études Germaniques 14, Nr. 2, April/ Juni 1991, S. 141-160 – Westf. Literaturführer 1992 (Stichw. Münster u.ö.) – Gödden 1993 [s. Register] – S. Freund: Eine unbekannte Dame in Paris – Ida di Chastele-Comtesse de Bocarmé, in: Jb. der Droste-Gesellsch. 3, 1994.

Handschriftliches: 1. StLB Dortmund: An Franz Liszt (12.11.1841) [Ged.]; 11 Briefe; 2 Briefe von Annette von Droste-Hülshoff; Briefe an Ignaz Hub (3), den Buchhändler Passy in Wien (3), J.B. Pfeilschifter; s. Autographenkatalog Dortmund 1962, S. 46 – 2. Autographenslg. Haus Stapel, Havixbeck: Brief an Annette von Droste-Hülshoff, Meersburg, 13.8.1839 – 3. SBPK Berlin (Nachlaß Chamisso): Brief an Adelbert von Chamisso, 25.8.1835; ebd. (Slg. Härtel): Brief an Annette von Droste-Hülshoff, 28.2.1838 – 4. UB Bonn: Das Röslein auf der Höhe [Ged., 1853]; Brief an Luise Seidler – 5. Heine-Inst. Düsseldorf: Brief an Heinrich Heine, 28.4.1855 – 6. DLA Marbach (Slg. Cotta): mehrere Briefe an Georg von Cotta – 7. SB/UB Frankfurt/M.: 17 Briefe an Karl Gutzkow, 1853-1864; Brief an Johann Friedrich Böhmer – 8. SB/UB Hamburg: Brief von Annette von Droste-Hülshoff, 7.3.1859; Brief von Melchior von Diepenbrock, 13.10.1842; ebd. (Slg. Campe): Briefe von Luise von Bornstedt an mehrere Adr.; Gedichtniederschr. – 9. UB Heidelberg: Ged. an Ignaz Heinrich von Weisenberg [1849] – 10. Theatermuseum Köln: Briefe an Eduard Schwender, Carl Christian Vogel von Vogelstein – 11. Bayer. SB München: Brief an Karl Christian Vogel von Vogelstein – 12. UB Erlangen-Nürnberg – 13. StLB Potsdam – 14. Brandenburgisches LHA.

Nachschlagewerke: Brühl 1854 – Rosenthal, Bd. 1, 1865; Bd. 3, 1870 – Kehrein, Bd. 1, 1868 – Kehrein, Bd. 2, 1872 – Brümmer, Bd. 1, 1876 – Raßmann 1866; N. F. 1881 – Groß 1882 – Brümmer 1885; 4. Aufl. 1895; 6. Aufl. 1913 – Forstenheim 1894 – Wienstein 1899 – Pataky, Bd. 2, 1898 – Groß 1922 – Kosch, Bd. 1, 1933 – Kosch, 2. Aufl., Bd. 1, 1949; 3. Aufl., Bd. 1, 1968 – Friedrichs 1981 – von Heydebrand 1983 – Oberhauser 1983 – Killy, Bd. 2, 1989 – Dt. biogr. Archiv, Fiche 128, Sp. 327-335; Fiche 1425, Sp. 426; N.F. Fiche 157, Sp. 197f. – Nachweise zu Gedichtveröffentl. in Anthologien im Archiv Kurt Rüdiger, Karlsruhe.

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GND-Nummer
116253479   Link zu diesem Datensatz in der DNB