Johannes Schulte


Biographie

Geboren am 26. Dezember 1864 in Habbecke (heute Ortsteil von Finnentrop) als Sohn eines Leinewebers. Leiblicher Vetter des Autors Johann Schulte (1864-1944). Besuch der Volksschule. Als Schüler arbeitete er als Hütekind für den Dorfbauern, nach Beendigung der Schule im Finnentroper Walzwerk, um zum Unterhalt der vielköpfigen Familie beizutragen. Wegen fehlender finanzieller Mittel keine weiterführende Ausbildung. Von 1885 bis 1888 Militärdienst. Hierauf Postbote in Finnentrop, 1896 Versetzung nach Attendorn. 1898 Heirat mit Theresia Beul. Aus der Ehe gingen zwölf Kinder hervor. 1898 Beitritt zum Kriegergesangsverein. Nach dessen Auflösung trat Schulte 1900 dem Männergesangsverein Cäcilia bei. 1907 Übernahme der Leitung des Chores. Nach Meinungsverschiedenheiten Gründung eines eigenen Gesangsvereins (Katholischer Männergesangsverein Sauerlandia). Schulte dirigierte außerdem den Franziskaner-Klosterchor. Ab 1922 im Ruhestand. Er starb am 19. Januar 1948 in Attendorn.

Schulte verfasste über hundert Beiträge für die lokale Presse und die Organe des Sauerländer Heimatbundes. Themen waren Attendorner Ereignisse, die umliegende Gegend und ihre in Plattdeutsch erzählten Sagen. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zog er mit einer eigenen Theatergruppe durch ganz Südwestfalen. In der Frühzeit des Rundfunks schilderte er als Interview-Partner wiederholt die Schönheiten seiner Heimatstadt. Seinen größten Erfolg hatte er mit seinen drei […] Volksstücken „Christinken“, […], „De nigge Fürster“ und „De Schnider ase Makelsmann“. Sie fußten teils auf wahren Begebenheiten und waren, wie es einmal formuliert worden ist, „keine Theaterstücke“, sondern „auf die Bühne gestelltes Volksleben“. (Becker 1980.)

Er gilt als der erste erfolgreiche Stückeschreiber in Sauerländer Platt nach [Friedrich Wilhelm] Grimme. (Rost 1990.) Die Arbeit in den Attendorner Vereinen hatte für Schultes Leben vor allem deshalb so große Bedeutung, weil er hier die ersten Anregungen erhielt, kleinere, zunächst hochdeutsche Bühnenstücke zu schreiben. Sein Stück, „Der letzte Postillon“, ist seinerzeit in vielen deutschen Postbeamtenvereinen aufgeführt worden. […] Bei vielen Vereinsfeiern trat Schulte als Erzähler von Schwänken und Schnurren auf oder trug von ihm selbst auf der Laute oder Zither begleitete Lieder vor. (Becker 1979.) Mit seiner Theatertruppe wurde er nach Dortmund, Hagen, Lüdenscheid, Arnsberg, Meschede, Plettenberg, Hohenlimburg und in andere Orte eingeladen.

In Attendorn ist eine Straße nach ihm benannt.

... mehr lesen weniger
Selbstständige Veröffentlichungen

Isaak Mosessohn in der Instructionsstunde. Komische Scene. Attendorn: Selbstverlag 1902 [Textbuch; nach P. Bürger auch in Paderborn bei A. Kleine veröffentlicht, vgl. P. Bürger: Im reypen Koren. 2010] – Der blaue Montag. Attendorn: Selbstverlag 1908 [Textbuch; Bürger nennt Paderborn: A. Kleine] – Die besteuerte Katze. Attendorn: Selbstverlag 1909 [Textbuch; nach Bürger in Essen veröffentlicht bei Fredebeul & Koenen] – Der letzte Postillon. Attendorn: Selbstverlag 1910 [Textbuch] – Die Heimkehr vom Sängerfest. Singspiel. Attendorn: Selbstverlag 1911 [Textbuch; Bürger zufolge in Mühlhausen i. Th. bei Danner publ.] – Die Dienstboten des Herrn Majors. Lustspiel mit Schlußgesang in zwei Aufzügen. Attendorn: Selbstverlag 1922 [Textbuch; P. Bürger zufolge ist d. Titel bereits 1912 in Bonn bei A. Heidelmann erschienen] – Christinken. Volksstück in drei Aufzügen. Bigge: Heimatverl. der St. Josefs-Dr. 1924. 71 S. (= Suerlänske Baikelkes) [Textbuch] (Bibl. WHB Münster, EAB Paderborn) – De nigge Fürster. Duwwele Hochtit op Balken Huawe. Vieraktiges Volksstück in sauerländischer Mundart. Attendorn: Selbstverlag 1929. 69 S. [Textbuch] (Bibl. WHB Münster) – De Schnider ase Makelsmann. Volksstück. Attendorn: Selbstverlag 1932 [Textbuch; Bürger nennt abweichend 1929 als Erscheinungsjahr] (Bibl. WHB Münster) – Erinnerungen aus der Militärzeit. Attendorn: Selbstverlag o.J. – postum: Min Heyme, min Siuerland. Ausgewählte Schriften mit Bildern aus dem Nachlaß von Toni Schulte. Attendorn: Selbstverlag 1990. 165 S.

... mehr lesen weniger
Unselbstständige Veröffentlichungen in

Attendorner Lokalpresse; Trutznachtigall, Bigge; Heimwacht, Bigge; De Suerlänner, Bigge; Sauerländ. Gebirgsbote, Arnsberg, Iserlohn; Sauerlandkalender; Ztgen. des Kreises Olpe [mehr als 100 Beitr.]. Ausw: Tutznachtigall 1921, H. 2, S. 112-114: Zeppelin drai üwer Attendorn [Prosa; Erstveröffentl.: Attendorner Ztg, 25.9.1909]; Tutznachtigall 1921, H. 2, S. 115f.: Ehrlek betahlt [Ged.]; Tutznachtigall 1921, H. 2, S. 118: Taum Examen [Ged.] – Tutznachtigall 1924, H. 5, S. 159: Dai dullen Attendörner [Ged.] – Tutznachtigall 1925, H. 8, S. 234-236: Gloube, Huappnunge un Laiwe [Prosa] – Heimatblätter Olpe Nr. 1/Okt. 1925 [Bd. 1], S. 286: Hiärwest [Prosa] – Nr. 4/April 1926 [Bd. 1], S. 321-323: Summernacht am Schnellmesken Diyke [Prosa] – Nr. 8/Sept. 1926 [Bd. 1], S. 365f.: Dat Wiägekrüze [Prosa] – Nr. 7/April 1928 [Bd. 2], S. 110f.: De Reise in de Welt [Prosa; ebenso in: DeS/De Suerlänner 1965, S. 110] – Nr. 3/Dez. 1928 [Bd. 2], S. 48: Dai unwiesen Attendörner [Ged.; ebenso in: Heimatstimmen Olpe F 86/1972, S. 64]– Nr. 12/Sept. 1929 [Bd. 2], S. 187f.: En „Willkumm“ op plattdütsk [für Weihbischof Hillebrand am 10.7.1928, Ged.] – Nr. 12/Sept. 1929 [Bd. 2]: Humoristische Wetterregeln für Attendorn – Nr. 2/Febr. 1932 [Bd. 4], S. 31f.: Gesang an dai leste Lüchte [Ged.; ebenso u.d.T. „Leste Lüchte“ in: Sauerland Nr. 4/2007, S. 188] – Nr. 5-6/Mai-Juni 1932 [Bd. 4], S. 95f.: Michel bi me Dokter [Ged.] – DeS/De Suerlänner 1937, S. 3: Großmutters Brutschlaier [Prosa]; DeS/De Suerlänner 1937, S. 50: Summermuarren im Buernduarpe [Prosa; erneut in: Sauerländer Hinkende Bote 1967, S. 84]; DeS/De Suerlänner 1937, S. 95: De Raise in de Welt [Prosa] – DeS/De Suerlänner 1962, S. 128: Wu Attendoren entstohn is [Prosa] – SGV: Euch grüßt die Heimat 1940 [S. 118-120: Prosa Dei klauken Frauliui] – SGV: Euch grüßt die Heimat 1941 – Färber: Heimatkunde Kreis Olpe 1, 1952 – DeS/De Suerlänner 1964, S. 60: Maket, wat i wellt! [Ged.] –  DeS/De Suerlänner 1966, S. 115: Noch eynen [Ged.] – Heimatstimmen Olpe F 110/1978, S. 52f.: Besinnliche Gedanken in d’r Märte [Prosa] – F 114/1979, S. 50: Hai well se nit [Ged.] – F 118/1980, S. 37: Te Niggejohr [Ged.] – Tungenslag-Ringbuch II, 1989 – Tungenslag. Mundartlesebuch I, 1991– VHS Kreis Olpe 1995 – Sauerland Nr. 1/1997, S. 25f: De Suerland-Dage te Balve 2.-4. September 1922 [Prosa, aus Min Heyme, Min Siuerland].

... mehr lesen weniger
Unselbstständige Veröffentlichungen über

Christineken, in: Trutznachtigall 1924, H. 2, S.61 – Aufführung „De nigge Fürster“ auf dem Attendorner Heimattag, in: Trutznachtigall 1924, H. 5, S. 130 – Tusch: Johannes Schulte, in: Sauerländ. Volksbl., Olpe, 1929 – G. Becker: Johannes Schulte, ein Attendorner Volksschriftsteller, in: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 15, 1938 – F. Wippermann: Zu Johannes Schultes Todestag, in: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 1, 1948 – Unverfälschtes Bild der Heimat. Erinnerung an Johannes Schulte, in: Westfalenpost Kr. Olpe, 24.12.1959 – Johannes Schulte. Vater des „Christineken“ [von F.S.], in: DeS/De Suerlänner 1962, S. 21 – Laufbahn begann in Attendorner Vereinen. J. Schulte war ein bekannter Heimatdichter. Todestag zu Weihnachten. Der Nachlass scheint in Vergessenheit zu geraten, in: Westfalenpost Attendorn, Dez. 1965 – J. Schöttler: Auf die Bühne gestelltes Volksleben. Johannes Schulte-Attendorn, in: Sauerland, Meschede, H. 1, März 1976 [Fotogr.] – G. Becker: Johannes Schulte (1864-1948). Ein Attendorner Volksschriftsteller, in: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 115, 1979, S. 73-79 [Abb.] – Ansprache des Attendorner Bürgermeisters Rüenauver: zur Buchvorstellung „Min Heyme – Min Siuerland“ am 27.9.1990 – G. Becker: J. Schulte, Min Heyme – Toni Schulte präsentiert neues Buch mit Werken seines Vaters Johannes, in: Westfälische Rundschau f.d. Kr. Olpe, 14.9.1990 – Toni Schulte rettet Werke des Vaters, in: Westfalenpost Kr. Olpe, 29.9.1990 – Min Siuerland [Rez.], in: Heimatstimmen Olpe F 162/1991, S. 84f. – Weitere Zeitungsauschnitte in Kopie ohne Quellenangabe im Chr. Koch-Mundartarchiv.

... mehr lesen weniger
Bildnis

1. Fotogr. (WLA Hagen) – 2. Fotogr. (Abb. in: Rost 1990; Krause, Bd. 2, 1987).

Nachlass/Vorlass

Toni Schulte, Attendorn, Nordwall 15A (Nachlass).

Sammlungen

WLA Hagen (Materialslg.) – Chr. Koch-Mundartarchiv – Stadtarchiv Olpe [Teilnachl.] – Privatarchiv Hubert Dohle, Finnentrop-Heggen [Album mit den eingeklebten ndt. Einzelveröffentlichungen aus alten Zeitungen].

Nachschlagewerke

Schröder-Heimatliteratur 1928 – Heimwacht-Künstlerheft 1930 – Buchreihe: Das Sauerland V, 1937 – Krause, Bd. 2, 1987 [Fotogr.] – Rost 1990 [Fotogr.] – Sowinski 1997 – CKG-Dokumentation 2003.

Grabstätte/ Gedenkstätte

Wohnhaus: Ennester Str. 3 in Attendorn, seit 8.3. 1979 mit Gedenktafel (Inschrift: „Sein Leben galt der Musik und unserer plattdt. Sprache“).

GND-Nummer
130453587   Link zu diesem Datensatz in der DNB