Biographie

Geboren am 25. August 1877 in der Gemeinde Nereta/Lettland als Sohn eines Landarbeiters. 1880 Tod des Vaters. Mit der Mutter Umzug nach Riekstini in Lettland. Er wurde Hütejunge und Knecht und hatte nur wenig Gelegenheit zum Schulbesuch. Autodidaktische Weiterbildung. Besuch einer Landwirtschaftsschule und dann der Kunstschule in Riga. Durch die Förderung eines Mäzens konnte er für einige Zeit in Deutschland seine Malstudien vervollkommnen. In Berlin war er Meisterschüler von Lovis Corinth. Nach seiner Rückkehr in die Heimat beginnt sein Aufstieg als Dichter. Jaunsudrabins trifft den Volkston seiner lettischen Landsleute so gut, daß seine Dichtungen weite Verbreitung in Lettland finden; und so wird er einer der bedeutendsten Dichter und geistigen Wegweiser Lettlands. Der lettische Staat zeichnet ihn wiederholt aus und verleiht ihm einen Ehrensold. Er wurde Ehrenmitglied des lettischen Schriftstellerverbandes und Ehrenmitglied der lettischen Sektion des PEN-Clubs. (Dalhoff 1972)

Auf der Höhe seines Erfolgs erlebte er die Besetzung Lettlands durch Russland. Er sieht für sich keine Möglichkeit mehr, dort zu leben und zu arbeiten. Im Herbst 1944 trifft Jaunsudrabins als Flüchtling in Bielefeld ein. Doch da er dort nicht bleiben kann, kommt er nach Bünde, nach Werfen und dann nach Greven an der Ems. Zufällig hört er von einem Häuschen im Arnsberger Wald am Ufer des Möhnesees in der Gemeinde Körbecke [heute Ortsteil von Möhnesee], das zwar von Flüchtlingen aus Schlesien bewohnt wird, aber noch einige freie Räume hat. Es gelingt ihm, mit seiner Frau dort unterzukommen. (ebd.) 1948 Umzug nach Körbecke in sein Mondscheinhaus. Er schrieb und malte, lebte längere Zeit zurückgezogen, bis er den Bildhauer Fritz Viegener-Delecke kennenlernte. Nun wurde sein Haus nicht nur Treffpunkt lettischer Landsleute, sondern auch vieler Künstler und Schriftsteller. Freundschaft mit Hannes Tuch, der ihn mit Josefa Berens-Totenohl bekanntmachte. Häufig wurde er von Erwin Sylvanus besucht, der über ihn im Westfalenspiegel schrieb und den Abdruck von Erzählungen vermittelte. 1955 und 1956 Teilnahme an den Westfälischen Dichtertreffen in Marl und Schmallenberg. Jaunsudrabins starb am 28. August 1962 in Körbecke.

Von seinem umfangreichen Werk entstand nur ein geringer Teil in Deutschland.

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Selbstständige Veröffentlichungen

Aija. Riga 1911; Brooklyn 1960; Riga 1978; 1981; Übersetzt aus dem Lett. von O. Grosberg. Ebd.: Gulbis [1922]. 182S. (=Lett. Lit. 10); 2. Teil: Athalss [Echo]. Ebd. 1920; 3. Teil: Ziema [Winter]. Ebd. 1925; 1958 in Lettland verfilmt – Balta gramata [Das weiße Buch]. Bd. 1. Riga 1914; Bd. 2. ebd. 1921; mehrere Neuaufl. zuletzt ebd. 1981 – Jaunsaimnieks un Velns [Der Bauer und der Teufel]. Riga 1933; Stockholm 1949; Riga 1981 – Nauda [Geld]. Riga 1939; 1942; Münster 1949; Riga 1983 – Naves Deja [Totentanz]. Riga 1922; 1924; Brüssel 1951; Riga 1952; 1981 – Der Kurische Bauernhof. Ethnographische Schilderung. Hg. von V. Tepfers. [Riga: Lettländ. Wertpapierdr.] 1944. 69S., 34 Taf. (ULB Münster, Bücherei des dt. Ostens, Herne) – postum: Kraniche über dem Möhnesee und Erzählungen aus Lettland. Mit Zeichnungen des Dichters. Vorw. von A. Dalhoff. Hg. vom Westf. Heimatbund. Münster: Aschendorff 1972. 80S. (=Kleine westf. Reihe VI, 31) (ULB Münster, Lipp. LB Detmold, StA Bielefeld, StLB Dortmund) – Erzählungen vom Möhnesee. Möhnesee-Körbecke: Heimatverein Möhnesee 1982. 24S. (=Schriftenreihe des Heimatvereins Möhnesee 5) [Abb.] (ULB Münster, StA Bielefeld) – Zuhause. Aus dem weißen Buch. Übers. aus dem Lett. von W. Stöppler. o.O. 1982. 31S. (ULB Münster) – Zala gramata [Das Grünbuch]. Brüssel: Apgada [um 1950] (ULB Münster) – Balta gramata [Das Weißbuch]. Riga 1957. 456S. (StAB Soest) – über 70 lett. Romane [z.B.: Mein Leben; Neubauer und Teufel; Schau nicht in die Sonne; Oberländer; Capri; Das Gold des Bettlers; Ich erzähle meiner Frau; Taube Blüten; Der Sommer; Urselchen; Schicksal; Der Offizier der Faulen; Gesehen, gehört, gefühlt; Der Kaukasus; Der Invalide und Ralle; Je nackter, je verrückter; Lebendige und tote Blumen; Ansis Auns; umfangr. Slg. im Slav. Balt. Sem. der WWU Münster] – Ich erzähle meiner Frau. Janis JaunsudrabinÏs in Greven. 1945.IX. – 1948.IV. Station zwischen Bünde-Werfen und Möhnesee-Körbecke. Auszug aus seinem Buch „Ich erzähle meiner Frau“. Übers. von R. Lazda. Münster: Lettisches Gymnasium 1983. 15 S. – Janis Jaunsudrabins im Mondscheinhaus [Janis JaunsudrabinÏs Menesnica]. Körbecke 1988. 10 Bl. [Text dt. u. lett.] – Trimdas raksti. Sastadijis, biografiju un komentarus rakstijis I. Bersons. Riga: Signe 2000 [1.Bd.] – Ich erzähle meiner Frau von der Flucht aus Lettland und dem Exil in Westfalen. Münster u.a.: Waxmann 2006 – Trimdas raksti. Kopotu rakstu papildinājums. Sējums 2. 1945-1951. Riga: Signe 2004 [2. Bd.] – Trimdas raktsi. Kopotu rakstu papildinājums. Sējums 3. 1951. Riga: Signe 2007 [3. Bd.] – Werkausgaben: Raksti. 8 Bde. Riga 1926-1931 – postum: Kopoti raksti. 15 Bde. Riga 1981-1985.

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Unselbstständige Veröffentlichungen in

Westfalenpost [zahlr. Art. von und über Jaunsudrabins] – Soester Anzeiger 1953-1963 [Beitr.] – Hellweger Anzeiger, Unna – Freie Presse, Bielefeld – Westfalenspiegel, Dortmund, 1955, H. 1: Mutter; Brief an meinen Vater im Himmel; Kraniche über dem Möhnesee; Jg. 1957, H. 5: Meine Mutter war verschwunden; Jg. 1958, H. 1: Der Gang über den See; Febr. 1959: Deine Heimat sei wie eine Insel; Jan. 1960: Ein Hering ohne Brot; Jg. 1962, H. 9: Bauernstube im Dämmerlicht; In der Heuscheune – Heimatkalender des Kreises Soest 1956-1968 [Beitr.] – Heimat am Hellweg, Kalender für Hamm und den Landkreis Unna, 1956: Die Geschichte der blinden Valerie – regelm. Beitr. in: Westf. Nachr., Münster; Ruhr-Nachr., Dortmund; Die Glocke, Oelde; Westf. Volksbl., Paderborn; Westfalenbl., Bielefeld; Sauerländer Gebirgsbote, Arnsberg, Iserlohn; Wegweiser; Im Wartezimmer; Heimatkalender des Kreises Soest; Heimat am Hellweg, Kalender für Hamm und den Landkreis Unna.

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Selbstständige Veröffentlichungen über

Jaunsudrabins in Westfalen. Münster 1982 [zweisprachig; Inhalt: C. Herbermann: Jaunsudrabins im Kreise der Dichter und in der Presse Westfalens; H. Tuch: Mein Freund Janis Jaunsudrabins; W. Gunkel: In memoriam J.J. 4.9.1982; A. Dalhoff: Das Leben und das Werk Janis Jaunsudrabins‘; Abb.] – A. Rudzitis: Pa Jaunsudrabina pedam Vestfale paplaÏsinats prospekts, 1944.9.X. – 1962.28.VIII. Minstere 1982; dies: JaunsudrabinÏs no riekstiniem lidz menesnicaj. Minstere 1988 – W. Raub: Janis JaunsudrabinÏs.1877 – 1962. Lettischer Dichter und Maler im westfälischen Exil. Eine Ausstellung der Universitäts- und Landesbibliothek Münster in Zusammenarbeit mit dem JaunsudrabinÏs-Archiv Münster, 25.Oktober-23.November 2002. Münster 2002 – I. Līduma: Zur Erinnerung an Jānis Jaunsudrabiņš. Madona: Erante 2008 – L. Lauska: Pēteris Ērmanis und Jānis Jaunsudrabiņš: Die soziale und kulturelle Integration lettischer Schriftsteller in Lettland und im deutschen Exil. Frankfurt a.M.: Lang 2011.

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Unselbstständige Veröffentlichungen über

E. Sylvanus: Das „Mondscheinhaus“ am Möhnesee [über Jaunsudrabins], in: Westfalenspiegel, Dortmund, 1955, H. 1, S. 9 – E. Sylvanus: Das „Mondscheinhaus“ am Möhnesee, in ebd. 1955, H. 1, S. 9 – F.W. Hymmen [über Jaunsudrabins], in: Jb. der Kriegsblinden 1956 – A. Dalhoff: Jaunsudrabins war Lettland. Ein Denkmal zu seinem 90. Geburtstag in Westfalen, in: Westfalenspiegel, Dortmund, 16, 1967, H. 8, S. 23f. – C. H[erbermann]: Erstes Treffen westf. Dichter, in ebd., H. 5, S. 19 – Der Weise vom Möhnesee, in ebd. 1962, H. 9, S. 22 – Janis Jaunsudrabins verstorben, in ebd., H. 10, S. 30 – A. Rudzitis: Ein lett. Dichter als Flüchtling in Westfalen, in: Westf. Heimatkalender, Münster, 26, 1972, S. 91-93 – W. Raub: Jānis Jaunsudrabiņš. Lettischer Dichter und Maler im westfälischen Exil, in: Jahrbuch Westfalen, 58, 2003, S. 48-59 – W. Raub: Asyl in Westfalen. Jānis Jaunsudrabiņš 1944 bis 1962, in: Literatur in Westfalen. Beiträge zur Forschung 7. Bielefeld: Aisthesis 2004, S. 59-110 – D. Wiethoff: Der lettische Dichter Jaunsudrabins im Exil am Möhnesee. Thema der Jahresversammlung der Christine-Koch-Gesellschaft am 21.5.2005 in Körbecke/Möhnesee, in: Sauerland, 38, 2005, 3, S. 136-138 – H. Ostermann: Die Bedeutung des Mondscheinhauses für den lettischen Dichter und Maler Janis Jaunsudrabins, in: Sauerland, 39, 2006, S. 86-88 – L. Lauska: Lettische Flüchtlinge in Deutschland nach 1944 und die Integration lettischer Exilschriftsteller: Jānis Jaunsudrabiņš und Pēteris Ērmanis, in: Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte. Lüneburg: Nordost-Inst., 19, 2010, S. 220-244 – A. Herden-Hubertus: Möhnesee (Kreis Soest), Südufer 32. Das „Mondscheinhaus“. Ein Refugium einer Dichterpersönlichkeit, in: Westfalen, 88, 2012, S. 502-504.

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Erwähnungen in

Westf. Literaturführer 1992, S. 92, 106.

Bildnis

1. Fotogr. (Abb. in: Rost 1990) – 2. Fotogr. (WLA Hagen).

Nachlass/Vorlass

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I. !!Bestände in westfälischen Archiven!! – – II. Weitere Handschriften in Westfalen: ULB Münster (Kaiser-Nachlaß): Briefe an Friedhelm Kaiser, 1956-1959 (9) – – III. Bestände und Handschriften außerhalb Westfalens: nicht bekannt

Sammlungen

1. StLB Dortmund: Zeitungsausschnittslg. – 2. WLA Hagen: Materialslg.

Handschriftliches

I. Bestände in westfälischen Archiven – – II. Weitere Handschriften in Westfalen: ULB Münster (Kaiser-Nachlass): Briefe an Friedhelm Kaiser, 1956-1959 (9) – – III. Bestände und Handschriften außerhalb Westfalens: nicht bekannt.

Nachschlagewerke

Oberhauser 1983 – Kindler, Bd. 8, 1990 [zu „Aija“, „Jaunsaimnieks un Velns“, „Nauda“, „Balta Gramata“, „Naves Deja“, zahlr. Hinweise zur lett. Sekundärlit.] – Rost 1990.

Grabstätte/ Gedenkstätte

Grab auf dem alten Dorffriedhof in Möhnesee-Körbecke; Grabstein mit einer Porträtbüste von Robert Ittermann (der Friedhof wird 1997 aufgelöst, eine Überführung der sterblichen Überreste von Jaunsudrabins nach Lettland wird zurzeit vorbereitet). Gedenkzimmer im Heimatmuseum in Körbecke mit Teilen des lit. Werks, einem Teil seiner Gemälde, Handschriften, Fotoalben und Lichtbildern. Ein Gedenkzimmer für Janis Jaunsudrabins wurde im Lett. Zentrum e.V., Salzmannstr. 152, Münster eingerichtet (originalgetreu nach seinem Arbeitszimmer in Körbecke). Dort sind Gemälde, Fotos, die Bibliothek, Möbel und eine Büste des Dichters zu sehen.

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GND-Nummer
118971778   Link zu diesem Datensatz in der DNB

Gemeindearchiv Möhnesee

Institution
Gemeindearchiv Möhnesee
Bestand
Sammlung
Ordnung
grob vorgeordnet
Umfang
3 Archivkartons
Nutzung
uneingeschränkt
Signatur
SJJ
Inhalt

Brief, Fotos, Publikationen, Zeitungsausschnitte, unveröffentlichte Werke